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Gartenreich Dessau-Wörlitz

Die Welterbestätte

Das 150qkm große Gartenreich Dessau-Wörlitz wurde 2000 in die Welterbeliste aufgenommen. Das einzigartige Landschaftskunstwerk wurde zwischen 1765 und 1800 von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau und seinem Berater Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff im Sinne der Aufklärung gestaltet. Die Philosophie des 18. Jahrhunderts spiegelt sich in dieser Kulturlandschaft mit englischen Parkanlagen, Schlössern, Weideflächen, Tempeln, Flüssen und Seen. Die aufklärerischen und pädagogischen Absichten der Bauherren zeigen sich auch in der Offenheit der Anlage: Kein Zaun trennte den Garten von der Stadt, jedermann hatte freien Zutritt und konnte das Schloss besichtigen. Das Schloss gilt zugleich als Gründungsbau des Klassizismus in Deutschland.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit stellt für die Welterbestätte Gartenreich Dessau-Wörlitz im Rahmen des Investitionsprogramms nationale UNESCO-Welterbestätten im Förderzeitraum 2009 bis 2014 insgesamt 4,4 Mio. Euro Bundesmittel für folgende Projekte zur Verfügung.

> Weitere Informationen zur Welterbestätte finden Sie hier

Schloss Oranienbaum (Quelle: Nicola Halder-Hass, Halder-Hass Denkmalprojekte)Schloss Oranienbaum Quelle: Nicola Halder-Hass, Halder-Hass Denkmalprojekte

Dessau-Roßlau: Schloss Georgium

Schloss und Garten Georgium bilden nach der Wörlitzer Anlage den flächenmäßig größten intensiv gestalteten Landschaftsraum im Gartenreich Dessau–Wörlitz. Das Schloss im Georgium wurde nach einem Entwurf von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorf im Jahr 1781 als Landhaus im klassizistischen Stil erbaut und 1893 um zwei seitliche Anbauten erweitert. Seit 1959 wird das Schloss als Gebäude der Anhaltinischen Gemäldegalerie genutzt. Langfristig ist geplant, die Dauerausstellungsbereiche entsprechend den Beständen zu erweitern. Aufgrund der mangelnden Unterhaltung ist das Schloss in einem schlechten Zustand. Insbesondere die klimatischen Bedingungen für die Unterbringung der Kunstwerke sind unzureichend. Zusätzlich gefährden fehlende Brandschutzeinrichtungen das wertvolle Kulturgut. Im Rahmen des Projekts sollen bisher nicht genutzte Bereiche der Galerie für eine öffentliche Nutzung erschlossen und Sanierungsmaßnahmen am Gebäude durchgeführt werden. Beispielsweise sollen die Außenfassaden und die historischen Raumfolgen im Kernbau und Seitenflügel konserviert werden. Des Weiteren sollen zum Schutz der Kunstwerke Brandschutz– und sicherheitstechnische Maßnahmen vorgenommen werden.

Erste umfangreiche denkmalpflegerische Forschungsarbeiten konnten abgeschlossen werden. Dabei wurden neue bauhistorische Erkenntnisse gewonnen, die für den weiteren Umgang hinsichtlich der Nutzung des Schlosses Georgium als Kunstmuseum wichtig sind und als planerische Grundlage dienen, um die Mängel der Brand- und Sicherheitstechnik sowie die dringendsten Nutzungsdefizite zu beheben. Zusätzlich fließen Erkenntnisse aus dem Brandschutzgutachten in den weiteren Planungsprozess ein. Statische Untersuchungen und Bestandsaufnahmen erfolgen parallel. Für die vorhandenen Fenster im Gebäude (Kernbau und Seitenflügel) wurde eine Bestands- und Schadenserfassung durch einen Restaurator vorgenommen.

Erste Kunstgüter wurden ausgelagert. Sämtliche Servicebereiche, wie der seitliche Besuchereingang, die Kasse, der Museumsshop, die Garderobe und die Besuchertoiletten werden zusammengelegt und sind im westlichen Flügel des Schlosses vorgesehen. Dort ist auch zur Gewährleistung der Barrierefreiheit der erforderliche Einbau eines Aufzugs und einer Behindertentoilette geplant. Im Ostflügel des Schlosses soll das Fluchttreppenhaus untergebracht werden. Zur Gestaltung der Ausstellung sollen Fachplaner für Licht, Farbgestaltung und Innenausstattung beauftragt werden.

Die Vorplanungen sind abgeschlossen. Derzeit findet die Entwurfs- und Genehmigungsplanung statt. Da der Baubeginn bevorsteht, wurde das Schloss für die Dauer der Maßnahmen geschlossen.

Schloss Georgium (Quelle: Nicola Halder-Hass, Halder-Hass Denkmalprojekte)Schloss Georgium Quelle: Nicola Halder-Hass, Halder-Hass Denkmalprojekte

Dessau-Roßlau: Gartenumfeld von Schloss Georgium

Zum UNESCO–Welterbe Gartenreich Dessau–Wörlitz zählen im Stadtgebiet Dessau–Roßlau die Landschaftsgärten Georgium, Kühnau und Luisium sowie der Schlossgarten von Mosigkau. Neben den Wörlitzer Anlagen ist das Georgium der kulturhistorisch bedeutendste Landschaftspark des Gartenreichs, der zudem die Welterbestätten der Stadt Dessau landschaftlich miteinander verknüpft. Durch gärtnerische Maßnahmen wurde die stadtbildprägende Wirkung des Parks wiederhergestellt und dieser touristisch aufgewertet. Im Garten Georgium bilden Kleinarchitekturen wichtige Bestandteile der historischen Gartenkonzeption, die derzeit restauriert werden und nach ihrer Aufstellung wichtige Raumbezüge wiederherstellen werden. Beispiele dafür sind der Dreyfußaltar im Heiligen Hain oder die kleine Serpentinensituation am Roten Bogen.

Vor allem das Wegesystem im Schlossumfeld wurde umfänglich erneuert. Besucher betreten nun wieder auf historischen Pfaden den Park. Besonders hervorzuheben ist die zentrale Eingangssituation in den Park durch die "Sieben Säulen". An wichtigen Stellen wurden Pflanzungen vorgenommen. Besonders auffällig sind die Alleepflanzungen vor dem Haupteingang und am Schloss. Der Abschluss der Arbeiten an den Wegen und Pflanzflächen im Blumengarten sowie an den Auslichtungen wurde mit einem Parkpflegeseminar am 19. November 2011 im Blumengarten und einer kleinen Führung durch einen Teil der wiederhergestellten Gartenbereiche zwischen Rotem Bogen, den Sieben Säulen und dem Haupteingang gefeiert.

Sobald die Baumaßnahmen am Schloss beendet sind, können auch die Wege in unmittelbarer Nähe des Schlosses fertiggestellt und dieses Projekt abgeschlossen werden.

Gartenumfeld Schloss Georgium (Quelle: Sven Hertel, Stadtarchiv Dessau-Roßlau)Gartenumfeld Schloss Georgium Quelle: Sven Hertel, Stadtarchiv Dessau-Roßlau

Dessau-Roßlau: Neuer Begräbnisplatz - historischer Friedhof Dessau

Das Erdmannsdorffportal (Nordtor) wurde als Eingangsportal zum Historischen Friedhof von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff in den Jahren 1788 - 1789 errichtet. Der neue Begräbnisplatz, heute Historischer Friedhof genannt, wurde im Jahr 1787 nach dem Vorbild eines italienischen campo santo als einer der ersten staatlichen (fürstlichen) Friedhöfe eröffnet und zählt zu den bedeutendsten klassizistischen Friedhöfen Deutschlands. Im Rahmen des Projekts werden weitgehende Sicherungsmaßnahmen durchgeführt.

Oranienbaum: Tabakmuseum im Nördlichen Kavalierhaus

Oranienbaum ist ein auf geometrischem Grundriss errichtetes Ensemble aus Stadt, Schloss und Park und zudem ein in Deutschland seltenes Beispiel für eine weitgehend niederländisch geprägte Barockanlage. Henriette Catharina (1637-1708), Gemahlin des Fürsten Johann Georg II. von Anhalt-Dessau (1627-1693), ließ sich die großzügige Schlossanlage ab 1683 errichten. Die aus dem Haus Oranien-Nassau stammende Prinzessin gab dem Ort einen auf ihre Familie bezogenen Namen und verlieh dem Schloss das holländische Gepräge. Hierzu trug maßgeblich der aus der Heimat der Prinzessin stammende Baumeister Cornelis Ryckwaert bei. Mit der Errichtung des Schlosses war auch die planmäßige Anlage einer Stadt und eines Schlossgartens (28 ha) nach niederländischem Vorbild verbunden. Eine reiche Innenausstattung mit kostbaren Ledertapeten, Fayencen und Gemälden gab dem Haus seinen Glanz, von dem heute u.a. noch der Fliesenkeller (Sommerspeisesaal) und der Teesaal zeugen. Um 1880 gestaltete dann Fürst Franz zahlreiche Räume des Hauses in chinesischem Stil um und bezog die barocke Gartenanlage in die Landesverschönerung des Gartenreichs ein. Am südlichen Rande des Parks entstand ab 1812 eine der längsten Orangerien Europas, die seither ohne Unterbrechung zur Unterbringung eines reichen Bestands an Zitruspflanzen genutzt wird. Der ehemalige barocke Inselgarten wurde zu dem einzigen, heute noch weitgehend erhaltenen englisch-chinesischen Garten des 18. Jahrhunderts, umgestaltet. Eine Pagode, ein Teehaus und mehrere Bogenbrücken setzen die architektonischen Akzente dieses Gartenteils.

Mit der derzeit stattfindenden Instandsetzung des nördlichen Kavalierhauses und der zukünftigen Nutzung als Tabakmuseum soll der gesamte Schlosskomplex für Besucher attraktiver werden. Es soll ein interaktives Museum entstehen, das über die Produktion, Geschichte und Bedeutung des Tabaks in Oranienbaum informiert. Henriette Catharina wollte mit der Errichtung des Schlosses sich nicht nur einen schönen Sommersitz kreieren, sondern dem neu geschaffenen Ort auch eine wirtschaftliche Struktur geben. Sie ließ 1693 eine erste Tabakplantage und ein Brauhaus errichten. 1695 verlieh sie dem Ort Marktrechte. Zum Tabakanbau und der allein häuslichen Produktion gesellten sich im 19. Jahrhundert bürgerliche Manufakturen und erste Fabrikationen, die im größeren Umfang Tabak weiterverarbeiteten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es 24 kleinere und größere tabakverarbeitende Betriebe. Bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg herrschte, obwohl in großem Maßstabe produziert und auch exportiert wurde, immer noch Handarbeit vor. So waren 1907 in den Tabak- und Zigarrenfabriken 166 Arbeiter beschäftigt. Über die Hälfte der Einwohnerschaft ernährte sich zusätzlich noch aus der Tabakproduktion, indem sie in Hausarbeit Wickel herstellte, die dann in den Fabriken zu Zigarren weiterverarbeitet wurden.

Die Baumaßnahmen verlaufen planmäßig.

Zukünftiges Tabakmuseum im Schloss Oranienbaum (Quelle: Nicola Halder-Hass, Halder-Hass Denkmalprojekte)Zukünftiges Tabakmuseum im Schloss Oranienbaum Quelle: Nicola Halder-Hass, Halder-Hass Denkmalprojekte

Wörlitz: Jüdischer Friedhof

Im 18. Jahrhundert siedelte sich in Wörlitz eine jüdische Gemeinde an, die bis zu 150 Mitgliedern zählte. Die im Wörlitzer Park liegende Synagoge zeugt noch heute davon und wird als Museum zur Geschichte der Juden in Anhalt genutzt. Der jüdische Friedhof in Wörlitz entstand 1760. Nach Plänen von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff wurden ab 1790 das Zeremonienhaus, die Remise und die Umfassungsmauer errichtet. Bis in das 19. Jahrhundert wurden hier jüdische Einwohner von Wörlitz, Oranienbaum und zeitweilig auch Coswig beerdigt.
In der Reichspogromnacht im November 1938 verhinderte der damalige Parkdirektor Hans Hallervorden zwar einen Brandanschlag auf die Synagoge im Park. Der Friedhof wurde aber dennoch geschändet und weitestgehend zerstört. Grabsteine wurden zur Hof- und Wegebefestigung zweckentfremdet. Das Zeremonienhaus wurde zum Wohnhaus und der Friedhof zum Garten umgebaut. Zur Erinnerung an den Friedhof mit seiner 150-jährigen Geschichte der jüdischen Gemeinde, wurde im Rahmen des Investitionsprogramms eine Gedenkwand errichtet. Die leicht gebogene Stahlwand schirmt den Raum an der Südseite des Friedhofs straßenseitig ab. An der Innenseite wurden originale Grabsteine aus der Zeit von 1786 bis 1867 aufgestellt und an der Wand befestigt. An der Außenseite geben Infotafeln Auskunft über die Geschichte des Jüdischen Friedhofs. Im Zuge der Maßnahme wurde auch ein Trafohaus, das an der Stelle der zu errichtenden Mauer stand, rückgebaut und an anderer Stelle durch einen Neubau ersetzt. Das seit 2009 laufende Projekt konnte im November 2010 planmäßig abgeschlossen werden. Das noch erhaltene Zeremonienhaus mit dem Jüdischen Friedhof bildet nun wieder eine würdige Einheit. Der Jüdische Friedhof begrüßt die Besucher mit der Inschrift "Gedenke vergiss nie".

Jüdischer Friedhof (Quelle: Stadt Wörlitz)Jüdischer Friedhof Quelle: Stadt Wörlitz

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