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Kloster Lorsch

Die Welterbestätte

Die Abtei Lorsch wurde während der Regierungszeit König Pippins des Kurzen (751-768) gegründet und zusammen mit den archäologischen Überresten des nahe gelegenen Klosters Altenmünster 1991 in die Welterbeliste aufgenommen. Seine Blütezeit erreichte das Kloster, als es nach dem Tod Ludwig des Deutschen (876) der Begräbnisplatz der Könige des Ostkarolingischen (deutschen) Reichs wurde. In der Reformationszeit erlosch das klösterliche Leben, die Klostergebäude standen leer und zerfielen. Erhalten geblieben ist neben den Bauten späterer Jahrhunderte die um 850 erbaute karolingische Torhalle, die als eines der ältesten nachrömischen Bauwerke in Deutschland gilt. Die Torhalle hat ihr ursprüngliches Aussehen über die Jahrhunderte hinweg bewahrt und erinnert zugleich an die vergangene Größe einer einst mächtigen Klosteranlage.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit stellt für die Welterbestätte Kloster Lorsch im Rahmen des Investitionsprogramms nationale UNESCO-Welterbestätten im Förderzeitraum 2009 bis 2014 insgesamt rd. 4,8 Mio. Euro Bundesmittel für folgende Projekte zur Verfügung.

> Weitere Informationen zur Welterbestätte finden Sie hier

Königshalle (Quelle: Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen)Königshalle Quelle: Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen

Kirchenachse

Die Kirchen- und zugleich Hauptachse des Klosters ist von entscheidender Bedeutung, um die gesamte Klosteranlage in ihrer historischen Entwicklung und Ausdehnung zu begreifen. Mit dem Projekt "Kirchenachse" soll eine deutliche Verbesserung der gegenwärtigen Erscheinung der erhaltenen Bauwerke, der Innenräume und der Umgebung durch restauratorisch-denkmalpflegerische, architektonische und landschaftsgestalterische Maßnahmen erreicht werden. Darüber hinaus sollen Klosterbereiche umgestaltet werden, die nördlich und südlich der Kirchenachse liegen. Dazu gehören der ehemalige Wirtschaftshof zwischen dem einstigen Atrium und der Zehntscheune, der Bereich des ehemaligen Mönchsfriedhofs nördlich der Kirchenachse und der Bereich der ehemaligen Klausur mit dem Infirmarium (Krankenhaus) und der Mönchslatrine im Süden der Kirchenachse. Zur Neugestaltung dieser Flächen wurde ein Wettbewerb durchgeführt. Zielvorgabe war, dass die Maßnahmen zur Darstellung des klösterlichen Lebens nicht in den Boden eingreifen. Der von der Jury prämierte Entwurf des Büros TOPOTEK 1 aus Berlin erfüllt diese Vorgaben besonders gut. Er sieht an den Stellen, an denen früher Gebäude standen bzw. vermutet werden, Vertiefungen vor – wobei die Vertiefungen durch Aufschüttungen des übrigen Geländes herausgebildet werden. So entsteht der Eindruck, als wären die Bauwerke herausgenommen worden.

Kirchenachse (Quelle: Stadt Lorsch)Kirchenachse Quelle: Stadt Lorsch

Zehntscheune

Innerhalb der Kernzone des Klosters Lorsch ist die im späten 16. Jahrhundert erbaute und im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts erweiterte Zehntscheune ein eindrucksvolles Denkmal der Domänennutzung des Klosterareals in unmittelbar nachklösterlicher Zeit. Mit Mitteln aus dem Welterbeprogramm soll die Scheune als "Wissensspeicher" und als Schaudepot für Bauskulpturen und archäologische Funde ausgebaut werden. Sie stellt damit eine sinnvolle Ergänzung der musealen Präsentation im Museumszentrum Lorsch dar, liefert den Fundhorizont für einige Rekonstruktionen im Freilichtmuseum Archäologischer Park karolingischer Herrenhof Lauresham, erweitert das Angebotsspektrum und ist zugleich ein wichtiger Bezugspunkt für die archäologische Forschung der Großregion Rhein-Main-Neckar.

Der ursprüngliche Baubestand aus der Zeit vor 1720 soll in seiner Gestalt wiederhergestellt und später errichtetes Mauerwerk entfernt werden. Die Maßnahmen umfassen alle erforderlichen Arbeiten für die Herrichtung der Zehntscheune zum musealen Ausstellungsraum. Basierend auf den vorhandenen bauhistorischen Untersuchungen und unter Berücksichtigung gesetzlicher Anforderungen (z.B. hinsichtlich Brandschutz) sollen die Maßnahmen, soweit möglich, ohne direkten baulichen Kontakt zum historischen Bestand durchgeführt werden. Im September 2011 wurde mit den Arbeiten am Gebäude begonnen.

Zehntscheune (Quelle: Stadt Lorsch)Zehntscheune Quelle: Stadt Lorsch

Klostermauer

Die Klostermauer wird als größtes erhaltenes Bauwerk aus der Klosterzeit bisher von den Besuchern kaum wahrgenommen. Seit dem Hochmittelalter wurde sie durch Planierungen des Geländes nach und nach zu einer Wegbegrenzung. Die Klostermauer ist in weiten Teilen durch den Erddruck der Aufschüttungen sowie Wurzeleinwüchse geschädigt. Mit ihrer Freilegung, der Aufnahme des Schadensbilds sowie der Sicherung und Konservierung sind an der Umfassungsmauer für das Kloster wichtige Bauperioden und kunsthistorische Details wieder ablesbar. Störungen, Vermauerungen und Verunklärungen, die seit der Säkularisierung des Klosters im 16. Jahrhundert bis heute dazugekommen sind, wurden entfernt. Außerhalb des Klostergeländes ist die Mauer zwar räumlich besser nachvollziehbar, da der Mauerfuß allerdings nicht mehr zu sehen war, war sie in ihrer ganzen Größe nicht mehr wahrnehmbar. Das Gelände wurde daher an der Innen- und Außenseite der Umfassungsmauer behutsam abgesenkt.

Kulturachse

Die sogenannte Kulturachse stellt die Wegeverbindung zwischen den beiden Kernzonen der Welterbestandorte Kloster Lorsch und Kloster Altenmünster dar. Durch die neue fußläufige Verbindung soll die touristische Erschließung des Standorts Altenmünster sichergestellt und die Anbindung an den archäologischen Park Lauresham ermöglicht werden. Innerhalb dieser Kulturachse sind einzelne Projekte vorgesehen, die verschiedene Themen der lokalen Landwirtschafts- und Siedlungsgeschichte thematisieren sollen: Entlang der Klostermauer werden z. B. in Schautafeln archäologische Befunde erläutert, in der Tabakscheune wird die kulturhistorische Bedeutung des Tabakanbaus in der Region präsentiert. Die bauliche Ausdehnung des Klosters Altenmünsters wird mit Hilfe gärtnerischer Maßnahmen verdeutlicht, über die Alte Nibelungenstraße wird der archäologische Park Lauresham erschlossen.

Visualisierung der Kulturachse (Quelle: Topotek 1 und hg merz)Visualisierung der Kulturachse Quelle: Topotek 1 und hg merz

Umgebungsschutz

Der Umgebungsschutz des Klosters Altenmünster wird durch zwei existierende Wohngebäude in der Pufferzone erheblich beeinträchtigt. Die Bebauung wurde ursprünglich aufgrund einer landwirtschaftlichen Privilegierung genehmigt, die in der Zwischenzeit entfallen ist. Um eine weitere Bebauung zu verhindern und bestehende Gebäude auf den jeweiligen Grundstücken rückbauen zu können, wurden die Grundstücke im Rahmen des Investitionsprogramms im August 2010 erworben.

Umgebung des Klosters Altenmünster (Quelle: Stadt Lorsch)Umgebung des Klosters Altenmünster Quelle: Stadt Lorsch

Herrenhof Lauresham

Vor den Toren von Lorsch entsteht das "Experimentalarchäologische Freilichtlabor karolingischer Herrenhof Lauresham". Modellhaft wird hier ein idealtypischer karolingerzeitlicher Herrenhof des 8./9. Jahrhunderts mit Garten–, Feld– und Weidefluren rekonstruiert, der eine Vorstellung des geistigen, gesellschaftlichen und religiösen Lebens dieser Epoche und insbesondere die komplexen Strukturen der mittelalterlichen Grundherrschaft anschaulich vermitteln soll. Gemeinsam mit dem didaktischen Aspekt ist die Umsetzung gemäß dem aktuellen Forschungsstand die oberste Prämisse. Aus diesem Grund stellt sich das Freilichtlabor beispielsweise auch der Aufgabe experimentalarchäologischer Langzeitversuche im Ackerbau. Neben archäologischen Befunden dienen schriftliche und bildliche Hinweise aus zeitgenössischen Quellen zur Planung der Anlage und ihrer Ausstattung.

Lorsch LaureshamHerrenhof Lauresham Quelle: Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, Herbert Matern

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