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Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg

Die Welterbestätte

Die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg wurden 1996 als authentische Schauplätze der Reformation in die Welterbeliste aufgenommen. In Eisleben beherbergte das Geburtshaus Luthers bereits 1693 eine Gedenkstätte, es gilt damit als eines der ältesten Geschichtsmuseen im deutschsprachigen Raum. In Wittenberg ist das Melanchtonhaus fast unverändert erhalten. In der Stadtkirche in Wittenberg hielt Luther die berühmten Invokativpredigten und führte die neuen Gottesdienstformen ein, sie wurde nach Luthers Tod in ihrer Bausubstanz kaum verändert. Am Portal der Schlosskirche schlug Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an. Bedeutung hat die Schlosskirche auch als Begräbnisstätte Luthers und Melanchtons. Ihre Restaurierung ist ein Musterbeispiel für die Entwicklung der Denkmalpflege im Verlauf des 19. Jahrhunderts.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit stellt für die Welterbestätte Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg im Rahmen des Investitionsprogramms nationale UNESCO-Welterbestätten im Förderzeitraum 2009 bis 2014 insgesamt 8,2 Mio. Euro Bundesmittel für folgende Projekte zur Verfügung.

> Weitere Informationen zur Welterbestätte finden Sie hier (Website der Lutherstadt Wittenberg)

> Weitere Informationen zur Welterbestätte finden Sie hier (Website der Lutherstadt Eisleben)

Wittenberger Markt (Quelle: Stadt Wittenberg)Wittenberger Markt Quelle: Stadt Wittenberg

Eisleben: Umbau der St.–Petri–Kirche zum "Internationalen Ökumenischen Taufzentrum"

Sinkende Mitgliederzahlen führten bei gleichbleibenden Instandhaltungskosten dazu, dass im Rahmen des IBA–Prozesses 2008 ein Workshop durchgeführt wurde, der nach langfristigen und wirtschaftlich tragfähigen Perspektiven und Mehrfachnutzungen für die Petrikirche suchte. Dabei wurde vor dem Hintergrund der 2007 angebrochenen "Lutherdekade" und des "Reformationsjubiläums 2017" die Idee zur Errichtung eines Internationalen ökumenischen Taufzentrums mit möglichst weltweiter Ausstrahlung entwickelt. Unter Einbeziehung des angrenzenden Pfarr- sowie Gemeindehauses soll das Alleinstellungsmerkmal der Taufkirche Luthers genutzt werden, um diese als einen konfessionsübergreifenden Taufort von internationaler Bedeutung zu etablieren. Dazu soll eine Organisationsstruktur für den Betrieb entwickelt und die Infrastruktur zur Betreuung und Unterbringung der Gäste installiert werden (z.B. barrierefreie Zugänge und Einbau einer Heizungsanlage in der Kirche, Einrichtung von Gästezimmern und Aufenthaltsräumen im Gemeindehaus). Im Gottesdienstraum soll eine Dauerinstallation "Taufe" sowie ein Informationszentrum mit Bibliothek, Bildungszentrum, Archiv und Seminarräumen entstehen. Bisher wurde das theologische Konzept für das Zentrum Taufe weiterentwickelt und das Qualifizierungsverfahren zum Entwurf für die Umgestaltung des Tauforts auf der Grundlage des Kirchenkonzepts für die Stadt durchgeführt. Außerdem wurde die äußere (Fenster, Fassade, Strebepfeiler) und die innere Gebäudehülle (Bodenplatte, Heizung und Technik) instandgesetzt. Die Baumaßnahmen sind abgeschlossen.

Visualisierung der "Taufe" (Quelle: AFF-Architekten, Berlin)Visualisierung der "Taufe" Quelle: AFF-Architekten, Berlin

Eisleben: Luthers Sterbehaus

Das im Rahmen der IBA Stadtumbau 2010 durchgeführte Projekt "Museumsquartier Luthersterbehaus" beinhaltet die Modernisierung des Bestands. Das Sterbehaus ist integraler Bestandteil des "Lutherwegs" und steht sowohl im Hinblick auf die Ausstellungsinhalte und -präsentation als auch unter städtebaulichen und architektonischen Gesichtspunkten im direkten Zusammenhang zum Geburtshaus Luthers. Durchgeführt werden die bauliche Erweiterung einschließlich Freiflächengestaltung sowie die Entwicklung eines neuen Ausstellungskonzepts. Die Maßnahmen finden derzeit statt.

Luther Sterbehaus (Quelle: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt)Luther Sterbehaus Quelle: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

Eisleben: Lutherarchiv

Das Gebäude in der Seminarstrasse 2 wurde 1861 und 1911 als Präparandenanstalt für das Lehrerseminar genutzt. Das seit etwa 20 Jahren leer stehende Wohnhaus befindet sich im Eigentum der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt und grenzt unmittelbar an das im Jahr 2007 mit hohem denkmalpflegerischen und architektonischen Anspruch sanierte "Martin Luther Geburtshaus". Zur Beseitigung des städtebaulichen Missstands und zur Abdeckung des Bedarfs der Stiftung an Archiv- und Lagerräumen wird das Gebäude denkmalgerecht saniert, erweitert und zum "Lutherarchiv" umgebaut. Der Ergänzungsbau dient der kulturellen Bildung und erhält eine eigenständige Erscheinung.

Gebäude vor der Instandsetzung (Quelle: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt)Gebäude vor der Instandsetzung Quelle: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

Eisleben: Alte Lutherschule

Das in unmittelbarer Nachbarschaft der Andreaskirche sowie des Luthersterbehauses gelegene Gebäude Andreaskirchplatz 11 (ehemalige Lutherschule und Superintendentur) soll durch eine denkmalgerechte Sanierung und Umgestaltung revitalisiert und als Gemeinde- und Begegnungszentrum der Kirchengemeinde St. Andreas-Nicolai-Petri hergerichtet werden. In die historischen Mauern soll nach jahrelangem Leerstand eine Begegnungsstätte und ein Bildungszentrum untergebracht werden. Die Bauarbeiten begannen 2011 und verlaufen planmäßig. Die Maßnahmen dienen der Konzentration des Gemeindelebens in der historischen Mitte der Stadt und der Aufwertung der Innenstadt an prominenter Stelle gegenüber dem Sterbehaus Martin Luthers.

Alte Lutherschule (Quelle: Dipl.- Ing. Architekt H. Bögemann)Alte Lutherschule Quelle: Dipl.- Ing. Architekt H. Bögemann

Wittenberg: Restaurierung der Denkmale von Martin Luther und Philipp Melanchthon

Die Denkmale Martin Luthers und Philip Melanchthon zählen zu den wichtigsten Denkmalen des 19. Jahrhunderts. Nach den Befreiungskriegen plante der König Friedrich Wilhelm III. die Aufstellung des Denkmals zu Ehren des Reformators in Wittenberg. 1817 konnte der Grundstein gelegt werden. Die Figur Luthers stammt aus dem Jahr 1805 von Johann Gottfried Schadow. Karl Friedrich Schinkel entwarf den Sockel. Der Baldachin geht zurück auf den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. und stellt eine zusätzliche Besonderheit dar. Bei Repliken wurde er häufig weggelassen, da die gotischen Formen, die an das Mittelalter erinnern, als unpassend für den Reformator empfunden wurden. 1858 erhielt Friedrich Drake den Auftrag, ein Denkmal zu Ehren von Philipp Melanchthons zu errichten. 1860 wurde der Grundstein des Denkmals gelegt, 1865 erfolgte die Einweihung. Den Baldachin entwarf Johann Heinrich Stracks in Anlehnung an die Schinkelsche Gestaltung. Barhäuptig und im Talar wie Luther steht Melanchton, in der rechten Hand die Rolle des Augsburgschen Glaubensbekenntnisses. 1948 waren die Baldachine der beiden Denkmale so stark verwittert, dass sie geklammert und schließlich 1967 nachgegossen werden mussten. Nun weisen beiden Denkmale wieder schwere statische Schäden auf. Die Nutzung des Marktplatzes und das städtebauliche Erscheinungsbild des Ensembles sind insgesamt beeinträchtigt. Im Rahmen des Projekts sollen die Denkmale restauriert werden. Derzeit werden die gusseisernen Baldachine konserviert bzw. neugegossen. Dafür wurden 2011 Modellvorlagen für die neu zu gießenden Zierteile hergestellt. Der Modellbau war ein sehr aufwendiger und anspruchsvoller Prozess und mit einem hohen Maß an künstlerischer Arbeit verbunden. Aus diesem Grund wurden die Arbeiten eng von der Denkmalpflege begleitet. Derzeit werden die Postamente rückgebaut, restauriert und wiederaufgebaut; die Standbilder und Figuren auf den Postamenten restauriert und konserviert. Die Stufenanlagen und Stufeneinpassungen beider Denkmale werden instandgesetzt.

Denkmale vor der Restaurierung (Quelle: Stadt Wittenberg)Denkmale vor der Restaurierung Quelle: Stadt Wittenberg

Wittenberg: Melanchthonhaus

Das als Museum genutzte Melanchtonhaus in Wittenberg ist gegenwärtig nicht barrierefrei zugänglich und wird durch Nutzungen wie Shop, Kasse oder Toiletten nicht denkmalgerecht genutzt. Um eine sinnvolle Modernisierung des Melanchtonhauses zu ermöglichen wird das benachbarte Grundstück Collegienstraße 61 erworben, dessen Zustand aufgrund des langen Leerstands unbefriedigend ist. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, Nutzungen aus dem Melanchtonhaus auszulagern und die historische Größe des Melanchton-Gartens wiederherzustellen. Die Baumaßnahmen sind weit fortgeschritten. Das Dachtragwerk wurde instandgesetzt, sämtliche Dielen nummeriert und geborgen. Lose Deckenfüllungen wurden entfernt, um das Ausmaß der Schädigungen in der Deckenebene festzustellen. Die Maßnahmen werden von zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen begleitet. Eine Informationsstele am Melanchthonhaus informiert die Bürger und Besucher über die Baumaßnahme.

Modell Melanchtonhaus (Quelle: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt)Modell Melanchtonhaus Quelle: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

Wittenberg: Stadtkirche St. Marien/Fronleichnamskapelle und Schlosskirche

An den Fassaden der Stadtkirche St. Marien/Fronleichnamskapelle und der Schlosskirche befinden sich skulpturierte Epitaphe (Grabinschriften) der Renaissance und des Barocks, die in einem sanierungsbedürftigen Zustand sind. Im Rahmen des Welterbeprogramms wurden die Epitaphe restauriert und nachhaltig gesichert. Das seit 2009 laufende Projekt konnte im Juni 2011 planmäßig abgeschlossen werden.

Stadtkirche St. Marien (Quelle: Stadt Wittenberg)Stadtkirche St. Marien Quelle: Stadt Wittenberg

Wittenberg: Andreasbreite

Südlich des Schlosses befindet sich der landschaftlich gestaltete Parkbereich der sogenannten Andreasbreite. Dieser Bereich ist Bestandteil der historischen und die gesamte Altstadt umgrenzenden Wallanlagen. Die Mittel aus dem Welterbeprogramm tragen dazu bei, die Andreasbreite gestalterisch aufzuwerten.

Schlosskirche, Luthergraben und Andreasbreite (Quelle: Stadt Wittenberg)Schlosskirche, Luthergraben und Andreasbreite Quelle: Stadt Wittenberg

Wittenberg: Schlosskirchenensemble

Das Schloss soll künftig durch das Evangelische Predigerseminar und eine reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek genutzt werden. Ergänzend ist beabsichtigt, an der Stelle des ehemaligen Südflügels einen südlichen Anbau zu errichten. Die Mittel aus dem Welterbeprogramm werden dazu eingesetzt, Planungsleistungen durchzuführen. Die Entwurfsplanung für den Umbau und die Sanierung des Schlosses sowie für den Neubau Südflügel sind nahezu abgeschlossen. Bestandteil dieser Planungen sind die Gebäudeplanung und die Planung der Technischen Ausstattung, einschließlich der technischen Anlagen in den Freianlagen. Außerdem wurde ein Raumprogramm für das Schloss und den Neubau durch die Projektgruppe "Rahmenvereinbarung 2017" und das Landesverwaltungsamt, Referat Denkmalschutz und UNESCO-Welterbe ausgearbeitet. Im Baufeld des Südflügels wurden durch die Bauforscher Vermessungsarbeiten mit dem Ziel durchgeführt, Plangrundlagen für die Integration der archäologischen Relikte der einstigen askanischen Burg aus dem 14. Jahrhundert und des Schlosses Friedrich des Weisen aus dem 16. Jahrhundert in den Neubau Südflügel zu integrieren. Zum Schutz der archäologischen Relikte wurde ein Wetterschutzdach errichtet.

Das Projekt wird durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen im Rahmen der Lutherdekade begleitet. 2011 fand im ehemaligen Artilleriewagenhaus eine Sonderausstellung der Städtischen Sammlungen statt, in der die städtebaulichen Projekte in Vorbereitung des Reformationsjubiläums vorgestellt wurden. Am Ende des Ausbildungsjahrs des Evangelischen Predigerseminars wird der Auszug aus dem Augusteum vollzogen. Bevor das Predigerseminar seine neuen Räume im Schloss bzw. Neubau Südflügel beziehen kann, müssen Lehrende und Dozenten in ein Interimsquartier ziehen. Der Auszug des Predigerseminars nach fast 200 Jahren im Augusteum soll öffentlichkeitswirksam inszeniert werden und möglichst mit dem ersten Spatenstich für den Neubau oder Hammerschlag am Schloss verbunden werden.

Schlosskirche (Quelle: Stadt Wittenberg)Schlosskirche Quelle: Stadt Wittenberg

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