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Klosterinsel Reichenau

Die Welterbestätte

Die 724 durch den Wanderbischof Pirmin auf der "reichen Au" begründete Klosterinsel Reichenau im Bodensee wurde 2000 in die Welterbeliste aufgenommen. Die drei romanischen Kirchen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert sind Zeugnisse für die frühmittelalterliche Architektur in Mitteleuropa und gelten als geistige Vororte des Abendlandes zur Zeit der Karolinger und Ottonen. Die Benediktinerabtei entwickelte sich zwischen 800 und 1100 zu einem geistigen und kulturellen Zentrum des Heiligen Römischen Reichs. Zu den kunstgeschichtlichen Zeugnissen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert gehören die einzigartigen Handschriften der Reichenau, die in ganzen Bilderzyklen das Neue Testament, das Leben Jesu und die Evangelien illustrieren. Um die 40 Codices umfasst der erhaltene Bestand der Reichenauer Malerschule.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit stellt für die Welterbestätte Klosterinsel Reichenau im Rahmen des Investitionsprogramms nationale UNESCO-Welterbestätten im Förderzeitraum 2009 bis 2014 insgesamt rd. 1,2 Mio. Euro Bundesmittel für folgende Projekte zur Verfügung.

> Weitere Informationen zur Welterbestätte finden Sie hier

Klosterinsel Reichenau (Quelle: Achim Mende)Klosterinsel Reichenau Quelle: Achim Mende

Schaffung eines Orientierungs– und Leitsystems für die Insel Reichenau

Die Besucher der Insel Reichenau erreichen die Welterbestätte hauptsächlich über eine lange Allee, die die Insel mit dem Festland verbindet. Die Zeugnisse des klösterlichen Lebens erstrecken sich über die gesamte Insel. Da auf der Insel Reichenau bislang kein einheitliches Orientierungs- und Leitsystem für die Besucher der Welterbestätte vorhanden war, entstanden vor allem zu den Hauptreisezeiten beachtliche Verkehrsmengen durch den Suchverkehr.

Das im Sommer 2010 übergebene Orientierungs- und Leitsystem führt diese Besucher nun direkt zu den bedeutendsten Orten der Welterbestätte, informiert dort die Besucher über die Bedeutung und Geschichte der Kirchen und Klosteranlagen und weist darüber hinaus auf weitere touristische und kulturelle Einrichtungen hin. Das Orientierungs- und Leitsystem umfasst darüber hinaus auch die Bereiche Handel und Gewerbe. Hier konnte erreicht werden, dass sich die örtliche Initiative von Gewerbetreibenden intensiv in den Planungsprozess eingebracht hat. Die zusätzlichen Kosten wurden von den Gewerbetreibenden übernommen. Damit ist es gelungen, ein aufeinander abgestimmtes Leitsystem umzusetzen, das die Lenkung aller Verkehrsströme auf der Insel Reichenau ermöglicht und damit auch zur Entlastung des Wohnumfelds beiträgt.

Übersichtsplan Informationssystem (Quelle: Gemeinde Reichenau)Übersichtsplan Informationssystem Quelle: Gemeinde Reichenau

Entwicklungskonzept zur Erhaltung der Streusiedlungsstruktur

Die Insel Reichenau ist mit ihren frühmittelalterlichen Baudenkmälern einer Streusiedlung als flächenmäßiges Welterbe ausgewiesen. Da die ganze Insel klösterlicher Grund und Boden war, siedelten die Klosterbauern einst zerstreut, d.h. jeweils bei ihren Feldern. Eine dichtere Besiedelung ist nur rund um den früheren Versammlungsplatz "Ergat" in Mittelzell zu beobachten - hier befand sich mit dem "Amannhaus" (Rathaus, heute Museum Reichenau) auch das weltliche Verwaltungszentrum.

Zur Bewahrung dieses charakteristischen Siedlungscharakters wurde von Juli 2009 bis Mai 2010 ein Entwicklungskonzept als informelle Rahmenplanung erarbeitet. Die Festlegungen des Entwicklungskonzepts sind in bauleitplanerische Festsetzungen gemündet. Durch die Festsetzungen der Bebauungspläne werden die Freihaltung der Sichtachsen und Freiräume garantiert sowie der Gemüse- und Weinanbau auf der Insel planerisch gesichert. Damit wird auch auf den Siedlungsdruck reagiert, dem die Insel derzeit ausgesetzt ist und der den Streusiedlungscharakter der Insel mittelfristig beeinträchtigt hätte.

Streusiedlungsstruktur (Quelle: Marcus Gwechenberger, PROPROJEKT)Streusiedlungsstruktur Quelle: Marcus Gwechenberger, PROPROJEKT

Sanierung der Umfassungsmauern um den Bezirk des ehemaligen Klosters

Der Klosterbezirk der ehemaligen Abtei Reichenau, der auch den Klostergarten und den Friedhof umfasst, ist mit Mauern aus dem späten Mittelalter umgrenzt. Die Umfassungsmauern sind prägendes Element der Gesamtanlage des ehemaligen Klosters im Zentrum des Ortsteils Mittelzell. Die mittelalterlichen Mauern, die zum Teil starke Schäden aufwiesen, wurden bis Ende 2009 umfassend saniert. Die Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass der Klosterbezirk auch künftig im Stadt- und Landschaftsbild erkennbar ist.

Lage der Umfassungsmauer (Quelle: Gemeinde Reichenau)Lage der Umfassungsmauer Quelle: Gemeinde Reichenau

Gewächshausentwicklung

Um die Zukunft des Gemüseanbaus auf der Insel zu sichern, wurde aus der Entwicklungskonzeption für die Insel Reichenau eine detaillierte Konzeption der räumlichen, landschaftlichen und wirtschaftlichen Perspektiven erarbeitet. Diese Betrachtung bildet die Grundlage für den Rückbau von ungenutzten Gewächshäusern auf der Insel.

Bereits jetzt sind einzelne brach gefallene Gewächshäuser vorhanden. Diese ungenutzten Gewächshäuser stehen an landschaftlich sensiblen Standorten, beispielsweise in Ufernähe. Sie unterbrechen Sichtachsen, insbesondere im Bereich der ehemaligen Klosteranlagen von Oberzell, Mittelzell und Niederzell.

Für die kommenden Jahre sind bauleitplanerische Festsetzungen und die Ausarbeitung eines Kriterienkatalogs für den Rückbau von Gewächshäusern vorgesehen. Der Rückbau einzelner Gewächshäuser dient der Wiedererkennbarkeit der historischen Siedlungsstruktur und ist somit von herausragender denkmalpflegerischer Bedeutung für das Weltkulturerbe. Entsprechende Maßnahmen sollen insbesondere an herausragenden landschaftlichen Stellen der Insel durchgeführt werden.

Gewächshäuser prägen das Landschaftsbild (Quelle: Marcus Gwechenberger, PROPROJEKT)Gewächshäuser prägen das Landschaftsbild Quelle: Marcus Gwechenberger, PROPROJEKT

St. Georg in Oberzell

Die Welterbestätte St. Georgskirche befindet sich in Oberzell unmittelbar am Eingang der Insel. Hier kommen die Besucher des Welterbes auf der Insel an. Die Pfarrkirche St. Georg aus dem 9. Jahrhundert hat mit den ältesten mittelalterlichen Wandmalereien nördlich der Alpen aus der Zeit der berühmten Reichenauer Malschule europaweite Bedeutung. Acht großflächige, mehr als 4 Meter breite und über 2 Meter hohe Wandbilder im Mittelschiff zeigen Wundertaten Jesu und illustrieren die Macht Jesu über Naturgewalten, Krankheiten, Leben und Tod.

Die Pfarrkirche St. Georg ist mit ihren singulären mittelalterlichen Wandmalereien durch zu hohe Feuchtigkeit in den Grundmauern und in der Raumluft sowie durch Schimmelpilze auf Wänden und Malereien gefährdet. Ursache hierfür sind neben den klimatischen Rahmenbedingungen in unmittelbarer Nähe zum Bodensee u.a. auch die hohen Besucherzahlen. So tragen die Besucher beispielsweise an Regentagen durch zu feuchte Kleidung zur erhöhten Feuchtigkeit im Kircheninneren und damit zur Schädigung der Wandmalereien bei.

Die Mittel aus dem Investitionsprogramm werden dazu eingesetzt, dass durch systematische Klimamessungen, Auswertungen und daraus entwickelter Lüftungsregelungen und Besucherlenkungen sowie entsprechender Sanierungsmaßnahmen die Erhaltung der Welterbestätte dauerhaft gesichert wird.

Pfarrkirche St. Georg (Quelle: Marcus Gwechenberger, PROPROJEKT)Pfarrkirche St. Georg Quelle: Marcus Gwechenberger, PROPROJEKT

Münster St. Maria und Markus

Das Marienmünster in Mittelzell wurde 724 durch den Wanderbischof Pirmin gegründet und stellte ursprünglich den Kernbau der gesamten Reichenauer Benediktinerklosteranlage dar. Ältester sichtbarer Bauteil des heutigen Münsters ist die Vierung und Teile des Ostquerhauses. Diese Bauteile waren Kernbestand der Kreuzbasilika von Abt Heito I. (806-823), die 816 geweiht wurde. Das mächtige Westwerk mit Turm wurde 1048 unter Abt Berno (1008-1048) geweiht. Der spätgotische Chor im Osten, der von 1447-77 an Stelle einer romanischen Doppelapsis errichtet wurde, bildet den Abschluss der umfangreichen Baugeschichte des Münsters. Das Kloster war das Zentrum der Insel Reichenau und  einst auch ein geistig-kultureller Mittelpunkt Europas. Es diente damit auch als Impulsgeber für die europäische Zivilisation.

Gravierende statische Gewölbeschäden sowie Schäden am Naturstein gefährden das Bauwerk. Mit Mitteln aus dem Welterbeprogramm werden daher am Westbau im Turm und Querhaus statische Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Im Gotischen Chor wird eine Natursteinsanierung durchgeführt. Die Konservierung und Sicherung des Glasmalereibestands aus dem 15. Jahrhundert konnte bereits abgeschlossen werden.

Münster mit Klostergarten (Quelle: Marcus Gwechenberger, PROPROJEKT)Münster mit Klostergarten Quelle: Marcus Gwechenberger, PROPROJEKT

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