Welterbe des Monats: Bad Muskau
Eröffnung der Englischen Brücke im Park von Bad Muskau
Links: Die wiederaufgebaute Englische Brücke // Rechts:Einweihungszeremonie
Quelle: Bad Muskau
Der Muskauer Park ist einer der schönsten Landschaftsgärten in ganz Europa. Einst von einer der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit – Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) – geschaffen, erwacht er nun nach jahrzehntelanger Vernachlässigung aus seinem Dornröschenschlaf. Zahlreiche Wege wurden wieder hergestellt, historische Sichtachsen geöffnet und Gebäude instandgesetzt.
Mit Hilfe des Investitionsprogramms nationale UNESCO-Welterbestätten ist mit dem Wiederaufbau der Englischen Brücke ein wichtiger Brückenschlag über die Neiße gelungen und die historische Verbindung zwischen Deutschland und Polen wiederhergestellt.
Festakt anlässlich der Einweihung am 17. Oktober 2011
Links: v. l. n. r.: Mariusz Czuba, Nationales Institut für das kulturelle Erbe der Republik Polen; Jan Mücke, Parlamentarischer Staatssekretär im BMVBS; Simon McDonald, Britischer Botschafter in Berlin; Stanislaw Tillich, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen; Bernd Neumann, Staatsminister und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien; Andreas Bänder, Bürgermeister der Stadt Bad Muskau // Rechts: Die Brücke ist wieder zugänglich.
Quelle: Bad Muskau / Halder-Hass
Die Einweihung der Englischen Brücke fand im Muskauer Park am 17. Oktober 2011 mit rund 500 Gästen aus Polen und Deutschland statt. In zahlreichen Ansprachen wurde betont, dass die Einweihung der Englischen Brücke ein Symbol für die gute bilaterale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen darstellt. So erhält der Park mit dieser Brücke nicht nur ein bauliches Schmuckstück zurück, sondern das von Fürst Pückler konzipierte, über die Neiße führende Wegenetz, wird nach über 60 Jahren wiederhergestellt.
Rechts: Festschar zieht zum Englischen Haus auf der polnischen Seite des Landschaftsgartens. // Links: Auftritt von Hans Anacker und Anne Schierach als Fürst Pückler und Gattin Lucie
Quelle: Halder-Hass / Bad Muskau
Angeführt vom Sextett des Philharmonischen Orchesters Cottbus, das Edward Elgars "Pomp and Circumstance, March No 1 (Land of Hope and Glory)" spielte, zog die Festschar auf die polnische Seite des Parks, wo der Tag mit einem Umtrunk neben den Ruinen des Englischen Hauses endete. Erinnerungen an die Zerstörung und die Trennung wurden wieder wach. Es herrschte einhellige Freude über den Wiederaufbau und die Möglichkeit, wieder zu Fuß und mit der Kutsche zum Englischen Haus gelangen zu können.
Wiederaufbau nach historischem Befund
Links: Die Englische Brücke im Bau // Rechts: Die wiedereröffnete Englische Brücke
Quelle: Bad Muskau
Für Fürst Pückler diente die Neiße als Ausgangspunkt und Zentrum seiner gartengestalterischen Maßnahmen im Schlosspark von Bad Muskau: so bezog er das Wasser des Flusses in die Kompositionen seiner Landschaftsbilder mit ein. Sichtachsen, Wegeverbindungen und Brücken führten dies- und jenseits der Neiße. Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Englische Brücke, bedingt durch die leichte Bauweise in Holz und das ständig wiederkehrende Hochwasser, immer wieder umgebaut. Prinz Friedrich der Niederlande (1797-1881) ließ sie 1858 zugunsten einer besseren Stabilität durch einen massiven Neubau mit gemauerten Pfeilern ersetzten. 1897 sorgte ein Hochwasser für starke Schäden. Das filigrane Holzgitter wurde durch ein schmiedeeisernes Geländer ersetzt. Diese Fassung hielt bis zum Zweiten Weltkrieg als der Sturm der Roten Armee auf Berlin begann. 1945 wurden die Brücken gesprengt und somit die Verbindungen gekappt. Einzig die Brückenpfeiler blieben stehen, die es nun ermöglichten, die Englische Brücke wiederaufzubauen. Der Wiederaufbau orientiert sich an der Fassung vor 1945 und steht damit im Zusammenhang mit der bereits 2003 wiederhergestellten Doppelbrücke. Als Quellen standen Fotos und auch das schmiedeeiserne Gitter zur Verfügung.
"Brückenschlag" für gute Zusammenarbeit und Verständigung
Temporäre "Ausstellung" zur Geschichte der Englischen Brücke.
Quelle: Halder-Hass
Mit der Einweihung der zweiten wichtigen Brücke im Gartenreich von Bad Muskau ist nicht nur der Zugang zum polnischen Parkteil wiedergegeben, sondern auch der historische Rundweg entlang der baulichen Sehenswürdigkeiten wieder erlebbar. Der Weg zum nördlich gelegenen und auf polnischer Seite befindlichen Zielpunkt, den Ruinen des Englischen Hauses, läuft nicht mehr in eine Sackgasse.
Der zweistaatliche Muskauer Park hat sich innerhalb weniger Jahre von einem zu DDR- Zeiten fast vergessenen, heute international anerkannten kulturellen Anziehungspunkt höchsten Ranges entwickelt und stellt einen wichtigen "Brückenschlag" in puncto Zusammenarbeit und Verständigung dar.

