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Siedlungen der Berliner Moderne

Die Welterbestätte

Die sechs Berliner Siedlungen der Moderne: Gartenstadt Falkenberg, Siedlung Schillerpark, Hufeisensiedlung Britz, Wohnstadt Carl Legien, Weiße Stadt und Großsiedlung Siemensstadt entstanden zwischen 1913 und 1934 nach Plänen von Bruno Taut, Walter Gropius, Hugo Häring u.a. Die Siedlungen wurden 2008 in die Welterbeliste aufgenommen. Planung und Bau der Siedlungen markierten einen historischen Wendepunkt im Städtebau und Wohnungswesen. Die qualitätsvolle Baukunst, die moderne Formensprache, die funktionalen Wohnungsgrundrisse und die städtebaulichen Figuren der Siedlungen lieferten international diskutierte und adaptierte Vorbilder für das ganze 20. Jahrhundert.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit stellt für die Welterbestätte Siedlungen der Berliner Moderne im Rahmen des Investitionsprogramms nationale UNESCO-Welterbestätten im Förderzeitraum 2009 bis 2014 insgesamt 12,3 Mio. Euro Bundesmittel für folgende Projekte zur Verfügung.

> Weitere Informationen zur Welterbestätte finden Sie hier

Luftbild der Hufeisensiedlung  (Quelle: Berlin Partner GmbH, FTB-Werbefotografie)Luftbild der Hufeisensiedlung Quelle: Berlin Partner GmbH, FTB-Werbefotografie

Übergreifende städtebauliche Bedeutung der Projekte

Die Projekte leisten einen Beitrag zur Umsetzung der gesamtstädtischen strategischen Ziele des Stadtentwicklungskonzepts - Berlin 2020 (STEK 2020), insbesondere um die Lebensqualität der Bewohnerschaft zu erhalten und zu verbessern, die Stadt an veränderte Ansprüche durch die Entwicklung und Qualifizierung des Bestandes anzupassen, Imagebildung und Identifikation durch die Gestaltung und Entwicklung des öffentlichen Raums zu unterstützen, die Innenstadt und den Innenstadtrand durch eine familienfreundliche und generationsübergreifende Quartiersentwicklung zu stärken und die historisch wertvollen Stadtquartiere und Ensembles zu revitalisieren. Darüber hinaus wird ein Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas und zur Anpassung der Stadt Berlin an den Klimawandel geleistet.

Als besonders verdienstvoller Denkmaleigentümer wurde der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Wohnen AG, Michael Zahn, für die langjährigen Verdienste der Deutsche Wohnen AG um die auf der Welterbeliste der UNESCO stehenden Siedlungen der Moderne mit der höchsten Berliner Auszeichnung für Denkmalpflege, der Ferdinand-von Quast-Medaille, 2011 ausgezeichnet.

Konzept zur touristisch verträglichen Erschließung der Siedlungen der Berliner Moderne

Für die sechs Siedlungen wurde ein übergreifendes touristisches Image- und Erschließungskonzept entwickelt. Für definierte Zielgruppen (Bewohner bis Besucher) wurde im Imagekonzept eine maßgeschneiderte, langfristige Kommunikationsstrategie mit dem Ziel eines ganzheitlichen Außenauftritts sowie der Vernetzung und Initiierung von Kooperationen entwickelt. Für eine gemeinsame touristische infrastrukturelle Erschließung wurden nicht nur die bestehenden Strukturen in den Siedlungen analysiert, sondern auch die räumliche Verteilung touristischer Orte in den Bezirken, bestehende Radwegesysteme und die mediale Präsenz geprüft und bewertet. Auf dieser Grundlage wurden Bausteine für verbesserte ÖPNV-Anbindungen, für touristische Wegeleitsysteme, für die Installation von Wegweisern an S- und U-Bahnstationen, für einen zentralen Informationsort in der Innenstadt und Vorschläge für Radtouren zur "Berliner Moderne" sowie für eine Anschlussplanung der gemeinsamen Konzepte in den Bezirken erarbeitet.

Das übergreifende Konzept wurde flankiert durch sechs Informations- und Erschließungskonzepte. Basierend auf der Analyse der städtebaulichen Situation jeder einzelnen Siedlung, wurden Module entwickelt. Die Leitkonzepte setzen sich aus folgenden Modulen zusammen: Eine "Hauptinformationsstele" in Kombination mit einem "Siedlungsmodul" markieren den Anfangspunkt der jeweiligen Besichtigungstour einer Siedlung. Daneben werden "Verteilerstelen" in der Siedlung platziert, um Auskunft über Teilaspekte zu geben. Als zentrale Anlaufstelle für Besucher und zur Sensibilisierung der Bewohner für das Welterbe wurde in allen Siedlungen jeweils ein Welterbe-Infopoint errichtet. Er ist nach Rücksprache oder zu bestimmten Zeiten öffentlich zugänglich. Weitere Module sind Fahrradstellplätze, Halte- und Parkmöglichkeiten für Reisebusse und Faltblätter.  

Die Konzepte tragen insgesamt dazu bei, die sechs Siedlungen gemeinsam zu positionieren, sie als architektonische Ensembles erlebbar zu machen, zusätzliche Aufenthaltsqualität für Bewohner und Besucher in den Siedlungen zu schaffen, die Bewohner aktiv einzubeziehen und vor zu hohem Besucherandrang zu schützen. Des Weiteren wurde im Rahmen eines Wettbewerbs das graphische Erscheinungsbild für ein Leitsystem der Siedlungen prämiert. Novamondo Design GbR, Berlin erhielt den 1. Preis.

Informationsmodul Siedlung Schillerpark (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin)Informationsmodul Siedlung Schillerpark Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

Modell Siedlung Schillerpark (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin)Modell Siedlung Schillerpark Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

Siedlung Schillerpark (Rekonstruktion der Freianlagen)

Im Rahmen des Projektes wurde die Rekonstruktion der Freianlagen der Siedlung am Schillerpark durchgeführt. Die historischen Müllplätze wurden instandgesetzt und erweitert, historische Straßenbeläge, Mauern und Zäune in den öffentlichen Bereichen und in den Mietergärten wiederhergestellt. Die Bepflanzungen nach den Plänen von Rossow wurden in den Grünflächen und Mietergärten neu geordnet. Um die Außenanlagen möglichst nah an die ursprüngliche Fassung zurückführen zu können, mussten zahlreiche von Bewohnern gepflanzte Bäume (u.a. Nadelbäume, Koniferen) gefällt werden. Informationsveranstaltungen und intensive Gespräche führten zur Einwilligung der Bewohner und trugen zur Identifikation der Mieter mit ihrer Siedlung bei.

Außenanlage Schillerpark (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin)Außenanlage Schillerpark Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

Instandgesetzte Müllhäuser (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin)Instandgesetzte Müllhäuser Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

Siedlung Schillerpark (Wiederherstellung der Straßenpromenade, Welterbe–Info–Haus)

Das Gartendenkmal Schillerpark (1909–1913) grenzt direkt an die Welterbe-Siedlung. Der Park war in seinen wesentlichen historischen Merkmalen erhalten, jedoch in den Randbereichen zur Siedlung stark überformt. Für die denkmalgerechte Wiederherstellung der Mittelpromenade Bristolstraße und Teile des Gartendenkmals Schillerpark wurden umfangreiche Umbaumaßnahmen durchgeführt. Zum einen wurde der nicht mehr erkennbare ehemalige Mittelstreifen in der Bristolstraße freigelegt. Die freigestellten alten Baumhaselreihen wurden durch Neupflanzungen ergänzt und somit die stadträumliche Verbindung zum Park zurück gewonnen. Zwischen dem Mittelstreifen und dem Park wurde ein neues Spielband, umgrenzt von niedrigen Zaunanlagen und Hecken, zwischen angelegten Rasenflächen geschaffen. Damit werden gleichzeitig Blicke in das Parkinnere sowie auf das umgestaltete Lindenrondell gewährt. Die neuen Spielangebote bestehen aus Klettergeräten, Schaukeln, Karussells sowie einem Streetballplatz, angrenzenden Tischplatten und Hängematten. Sitzbänke ergänzen die Angebote zum Verweilen. Jenseits der Barfussstraße wurden ein moderner Bolzplatz, Tischtennisplatten und Sitzbänke installiert. Ergänzend dazu wurde die denkmalgeschützte Plansche im Schillerpark saniert. In Anlehnung an die ursprüngliche Gestaltung, erhielt das Becken farbige Asphaltbeläge. Die Wasserfläche wurde blaugrün und der in der Erbauungszeit vorhandene Sandstrand durch gelb eingefärbten Asphaltbelag nachempfunden. Die Wassertechnik wurde komplett modernisiert.

Plansche im Schillerpark (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin)Plansche im Schillerpark Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

Das ehemalige Toilettenhäuschen wurde durch umfangreiche Umbaumaßnahmen zu einem Welterbe-Infohaus umgestaltet und durch einen Anbau um einen Imbiss ergänzt. Der Ausstellungsraum ist von der Bristolstraße, nach Terminabsprache mit dem Imbissbetreiber, zugänglich. Das Toilettenhäuschen wurde nach seiner Sanierung seiner ursprünglichen Bestimmung wieder zugeführt. Der Imbiss wird von den Anwohnern angenommen und ist zum Kristallisationspunkt des Schillerparks geworden. Bürgerveranstaltungen und die offizielle Eröffnungsveranstaltung trugen auf Grund der unerwartet großen Beteiligung der Anwohner und Besucher zu einer sehr guten Vermittlung der Welterbestätte bei. Vielen Gesprächen war eine positive Resonanz zur Neugestaltung sowie Interesse an Informationen zum Weltkulturerbe Schillerpark zu entnehmen.

Die geförderten Projekte sind Bestandteil der Bereichsentwicklungsplanung des Bezirkes Berlin-Mitte. Danach ist der Schillerpark als Parkanlage aufgrund seiner besonderen historischen, gestalterischen und landschaftlichen Qualität zu erhalten, zu qualifizieren und weiterzuentwickeln. Dieser Anspruch konnte umgesetzt werden: Der ursprünglich geplante Bezug zwischen Gebäuden und dem Park ist wiederhergestellt. Durch die Neugestaltung der Pufferzone wird das Weltkulturerbe viel besser hervorgehoben. Es ist von den Touristen besser auffindbar und dank der Informationstafeln besser erlebbar. Die nachhaltige und qualitätsvolle Aufwertung dieser öffentlichen Räume beeinflusst die Entwicklung der umliegenden Wohnquartiere positiv.

Welterbe-Kiosk (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin)Welterbe-Kiosk Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

Hufeisensiedlung (Energetische Sanierung, Welterbe–Info–Haus)

Im Mittelpunkt des Projekts standen dringend erforderliche Investitionen in den Erhalt der Hufeisensiedlung sowie ihre bautechnische Anpassung an die zukünftigen energetischen Anforderungen. Die Rückgewinnung des historischen Erscheinungsbildes dient sowohl denkmalpflegerischen Zielen als auch der Wohnumfeldverbesserung und der Steigerung der touristischen Attraktivität. Im Rahmen des Projekts wurden in der Hufeisensiedlung Fenster, Türen, Fassaden und Balkone modernisiert. Zur energetischen Ertüchtigung wurden Dächer sowie Kellerdecken denkmalgerecht gedämmt. Die Maßnahmen sind fast abgeschlossen. Im Außenraum werden Vor- und Mietergärten nach historischem Vorbild denkmalgerecht neugestaltet. Darüber hinaus wurden ein Reihenendhaus und eine Wohnung mit originaler Ausstattung nach historischem Vorbild und auf der Grundlage von Befunduntersuchungen (Materialität, Grundriss, Farbe, etc.) als Muster hergerichtet.

Welterbe-Info-Haus (Quelle: Sebastian Trommer, www.Lining30.de)Welterbe-Info-Haus Quelle: Sebastian Trommer, www.Lining30.de

Die Welterbe-Info-Station befindet sich in einer ehemaligen Wohnung mit gewerblicher Einheit. Sie wurde originalgetreu nachgebaut und ist darüber hinaus der Versammlungsort des Vereins der "Freunde der Hufeisensiedlung" e.V.

Hufeisensiedlung (Umgestaltung öffentlicher Bereiche)

Kern der Anlage ist das hufeisenförmige Wohngebäude, das um den bereits vor dem Bau der Siedlung bestehenden, ebenfalls hufeisenförmigen Teich errichtet wurde. Der Vorplatz mit der breiten Treppe und dem Übergang in die Grünanlage bildet zugleich Zentrum und Entree zur Siedlung. Die Freiräume, Promenaden und Grünflächen befanden sich zum Teil in einem verwahrlosten Zustand. Im Rahmen des Projektes wurden die öffentlichen Bereiche auf die ursprüngliche Fassung zurückgeführt. Dazu wurden nicht-denkmalgerechte Flächenbefestigungen zurückgebaut, Promenaden und Wege neu angelegt, Baumpflanzungen ergänzt und der Teich entschlammt. Anschließend wurde die gesamte Anlage nach historischem Vorbild bepflanzt.

Erneuerte Teichanlage (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin)Erneuerte Teichanlage Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

Hufeisensiedlung (Internetbasierte Informationsplattform)

1998 erfolgte der Verkauf der ehemals städtischen Wohnungsbaugesellschaft GEHAG. Im Zuge der Privatisierung wurden die meisten der Reihenhäuser der Hufeisensiedlung an private Eigentümer veräußert. Von den rund 900 Reihenhäusern besitzen 679 Welterbestatus. Die neuen Eigentümer müssen die gesetzlichen Auflagen des Denkmalschutzes sowohl hinsichtlich des Einzelgebäudes als auch hinsichtlich des Gesamtensembles erfüllen. Die Informationsplattform dient dabei als Hilfestellung und Datenpool für Behörden und Bürger.

Möglich wurde das Projekt durch die einzigartige Zusammenarbeit engagierter Bewohner und der öffentlichen Hand: Die Idee, Planung und Umsetzung erfolgte in Gemeinschaftsarbeit der "Freunde und Förderer der Hufeisensiedlung Berlin-Britz" e.V., dem Landesdenkmalamt, der Unteren Denkmalschutzbehörde Neukölln, dem Natur- und Grünflächenamt des Bezirks sowie der Deutschen Wohnen AG unter Leitung von Ben Buschfeld vom Büro buschfeld.com. Die Projektsteuerung wurde vom Verein übernommen, der insgesamt vier große Informationsveranstaltungen für die Bewohnerschaft organisierte. Seit Ende Februar 2010 ist die so in "Public-Private-Partnership" entstandene Informationsplattform www.hufeisensiedlung.info online.

Es entstand ein Katalog mit Hinweisen zur denkmalverträglichen und fachgerechten Instandsetzung der Fassaden, Dächer, Dachrinnen, Attika, Fenster, Eingängen und der Farbigkeit. Bewohner, Bauherren und Behörden können über eine Sucheingabe genau die fachgerecht aufbereiteten Informationen aufrufen, die sie und alle beteiligten Handwerksfirmen benötigen, um etwa ein Fenster in den Originaltönen streichen, es denkmalgerecht nachzubauen oder energetisch optimieren zu lassen. Bei Bedarf können die Informationen auch ausgedruckt oder als PDF gespeichert werden. Für die Öffentlichkeit stehen zwei Beispielhäuser online. Aus datenschutzrechtlichen Gründen ist der hausnummerngenaue Zugang zum Denkmaldatenbankteil nicht öffentlich zugänglich, sondern den Behörden vorbehalten.

Im Forum können sich die Bewohner der Siedlung über Originalbauteile, geeignete Handwerker sowie Pflege- und Pflanztipps austauschen. Auch Sammelbestellungen oder hausübergreifende Renovierungsarbeiten sollen angeregt und initiiert werden. Darüber hinaus können neue Erkenntnisse einfach für alle Nutzer aktualisiert oder für das Verständnis wichtige Entwurfsprinzipien verdeutlicht werden. Hausbesitzer können auf dieser Grundlage leichter und qualitätsvoller im Sinne des Denkmals planen und Behörden leichter genehmigen. Auch das ist eine Innovation in der Denkmalvermittlung.

Screenshot der Internetseite (Quelle: www.hufeisensiedlung.org)Screenshot der Internetseite Quelle: www.hufeisensiedlung.org

Ringsiedlung (Energetische Sanierung, Welterbe–Info–Haus)

Die Ringsiedlung Siemensstadt entstand in den Jahren 1929–34 unter Mitwirkung der Architekten Otto Bartning, Fred Forbat, Walter Gropius, Hugo Häring, Paul–Rudolf Henning und Hans Scharoun. Im Rahmen der energetischen Sanierung wird die Wiederherstellung und energetische Erneuerung von Gebäudehüllen durchgeführt. Dazu werden Fenster überarbeitet oder erneuert, Treppenhäuser denkmalgerecht saniert und Fassaden instandgesetzt. Auf den oberen Geschossdecken sowie unterhalb der Kellerdecken werden Wärmedämmungen angebracht und die Dachflächen instandgesetzt.

Zur Aufwertung des Wohnumfeldes wird eine denkmalgerechte Umgestaltung von Siedlungsgrünflächen durchgeführt. Dazu werden Sichtachsen freigestellt und ca. 8.000 qm Vegetationsflächen neu angelegt sowie Außenanlagen denkmalgerecht instandgesetzt.

Im Bauteil von Otto Bartning weist ein Großteil der Fenster bereits fortgeschrittene Schäden auf. Die Fenster werden daher zum größten Teil ersetzt. Um bei der Sanierung die energetischen Aspekte zu berücksichtigen, werden die vorhandenen Kastendoppelfenster bzw. Verbundfenster durch neue Kastendoppelfenster bzw. isolierverglaste Balkontüren ersetzt.

Im Bauteil von Walter Gropius (Jungfernheideweg 21–45) sind die Doppelbalkone mit Fensterelementen aus Stahl und einfacher Verglasung geschlossen. Auch hier liegen Schäden an den Fenstern und Loggien vor, insbesondere Korrosion an den Stahlrahmen. Im Rahmen des Projektes werden die Stahl-Loggiafenster saniert und energetisch ertüchtigt. Die Erneuerung der Loggiaverglasung soll sowohl den denkmalpflegerischen als auch den heutigen technischen Anforderungen entsprechen.

Auch die Maßnahmen in dieser Siedlung wurden durch Informationsveranstaltungen begleitet, an denen auch Freiflächenplaner, Vertreter des Bezirksamtes, des Landesdenkmalamtes, des BUND, des NABU und der Deutschen Wohnen teilnahmen. Sie dienten der Aufklärung der geplanten Maßnahme und der Bewusstmachung der historischen Bedeutung der Siedlung.

Im Zusammenhang mit dem geplanten Welterbeerschließungs– und Leitsystem wurde im Juni 2011 ein Laden in originaler Ausstattung als Anlauf– und Informationsstelle eröffnet.

Infostation (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin)Infostation Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

Ringsiedlung (Gestaltung der Straßenlandschaft)

Die Straßenräume der Ringsiedlung sind Teil des städtebaulichen Entwurfes der 1920er Jahre und bilden gemeinsam mit den wohnungsnahen Grünflächen das öffentliche Umfeld der Wohnungsbauten. Ihre Gestaltung erfolgte durch das Zusammenwirken der Hochbauarchitekten mit dem Gartenarchitekten Leberecht Migge. Diese Gestaltung war nur noch rudimentär vorhanden, so dass das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße kaum noch nachvollzogen werden konnte. Im Rahmen des Projektes sollten die Straßenräume, insbesondere die Goebelstraße und der Goebelpatz, eine denkmalgerechte Umgestaltung und Rückführung auf die ursprüngliche Fassung erfahren. In der Goebelstraße, die signifikant durch die sich wiederholende Bepflanzung mit Säulenpappeln geprägt war, wurden die historischen Baumpflanzungen und Vegetationsbestandteile wiederhergestellt. Dafür wurden später gepflanzte Bäume (u.a. Birken) gefällt, ineinander wachsende Strauchbereiche an der Nordseite gerodet, erhaltenswerte Solitäre freigestellt und Parkplätze zurückgebaut. Vor den Giebeln wurden jeweils zwei Säulen-Eichen gepflanzt. Auf der hainartigen Fläche am Jungfernheideweg wurden Kiefern und Eichen nachgepflanzt. Insgesamt wurden 29 Bäume gefällt und 60 Neupflanzungen vorgenommen. Die Einfassungen zwischen Gehweg und Pflanzfläche wurden teilweise erneuert. Das Gelände wurde modelliert und Rasen gesät. Die Hauseingänge wurden mit Mosaikpflastern hergestellt und mit jeweils vier Apfel-Dorn-Bäumen gestaltet. Der Goebelplatz wurde mit seinen ursprünglichen Gestaltungselementen bereits saniert und im Mai 2011 feierlich eingeweiht.

Mit Hilfe der Bürgerbeteiligung, die zu sehr kontroversen Diskussionen zum Thema Denkmalschutz versus Bauerhaltung führte, konnte auf die Besonderheit der Siedlung hingewiesen werden, die nur teilweise im Bewusstsein der Bevölkerung verankert war.

Der Gesamteindruck von Straße und Platz hat insbesondere mit dem entstandenen Welterbe-Infopunkt, der Bestandteil des neu konzipierten Welterbeleitsystems ist, erheblich gewonnen. Ursprüngliche Sichtachsen wurden wiederhergestellt und die Gebäude treten im Kontext mit der Straßen- und Außenanlagenplanung wieder stärker in ihrer Besonderheit hervor. Dadurch wurde die touristische Attraktivität dieser Welterbesiedlung erhöht.

Eröffnung des neugestalteten Göbelplatz (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin)Eröffnung des neugestalteten Göbelplatz Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

Ringsiedlung (Randbereich zum Volkspark Jungfernheide)

Die Ringsiedlung wurde Ende der 1920er Jahre in direkter Nachbarschaft zu dem in den frühen 1920er Jahren eingerichteten Volkspark Jungfernheide erbaut. Durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise konnte die städtebauliche Verzahnung zwischen Siedlung und Park nur unzureichend realisiert werden. Die Schnittstellen zwischen Wohnbereichen und Park sind auch heute noch in gestalterischer und funktionaler Hinsicht mangelhaft. Im Rahmen des Projektes soll die städtebauliche Verzahnung zwischen dem Gartendenkmal Jungfernheide und der Siedlung weiterentwickelt werden. Dazu wurden Parkeingänge und wassergebundene Wege wiederhergestellt, der zur Siedlung weisende Parkrand und die Grünflächen umgestaltet.

Ein zusätzlicher Parkeingang entstand am Jungfernheideweg/Ecke Heckerdamm mit den entsprechenden Wegeanbindungen. Die Außeneckanbindung zwischen Heckerdamm und Jungfernheideweg wurde den verkehrstechnischen Erfordernissen angepasst. Die Eingangsbereiche am Heckerdamm wurden zurückgebaut und die Mauerelemente von Graffiti befreit und überarbeitet (Graffitischutz). Das Umfeld der beiden Pavillons an der Jungfernheide wurde denkmalgerecht hergestellt (Wege und Pflanzung). Die Bärenskulptur wurde an ihrem neuen Platz so aufgestellt, dass eine Sichtachse von der Bärenskulptur auf den Wasserturm entstanden ist. Damit Neupflanzungen realisiert werden konnten, mussten diverse Pflanzflächen entsprechend vorbereitet werden. Unerwünschte Altbäume (Wildwüchse) wurden entfernt. Das nördliche Pappel-Rondell wurde z.B. durch Fällung und Neupflanzung wiederhergestellt und Heckenpflanzungen säumen die neuen Wege. Die wesentlichen Maßnahmen konnten bereits umgesetzt werden. Das Projekt läuft planmäßig und wird 2013 abgeschlossen.

Wiederhergestellter Bärensockel (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin)Wiederhergestellter Bärensockel Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

Weiße Stadt (Denkmalgerechte Wiederherstellung und energetische Erneuerung von Gebäudehüllen in der Welterbesiedlung, gartendenkmalgerechte Umgestaltung von Siedlungsgrünflächen)

Die 1931 vollendete Großsiedlung "Schillerpromenade" ist unter der Bezeichnung "Weiße Stadt" schon bald nach ihrer Fertigstellung als Inbild des modernen Siedlungsbaus bekannt geworden. Die Blockrandbebauung beginnt am südlichen Eingang der Siedlung effektvoll mit zwei Torbauten. Die Promenade schließt mit einem Querriegel, der als Brücke über die gesamte Breite der Aroser Allee gelegt ist. Das Brückenhaus markiert die Mitte der Siedlung. Im Rahmen des Projekts werden Erhaltungs- sowie energetische Anpassungsmaßnahmen durchgeführt. Die Rückgewinnung des historischen Erscheinungsbildes dient sowohl denkmalpflegerischen Zielen als auch der Wohnumfeldverbesserung. Dazu soll insbesondere das Brückenhaus instandgesetzt und energetisch ertüchtigt werden.

Instandsetzungsmaßnahmen an den Fassaden (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin)Instandsetzungsmaßnahmen an den Fassaden Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

Weiße Stadt (Denkmalgerechte Wiederherstellung von Teilen des Gartendenkmals "Siedlungsgrün der Weißen Stadt")

Die Aroser Allee wurde als repräsentative Baumallee angelegt und durchquert die Weiße Stadt in Nord-Süd-Richtung. Die breite Mittelpromenade bildet im Abschnitt zwischen Emmentaler Straße und Genfer Straße das Zentrum der Siedlung. Dieser Abschnitt wurde planmäßig von Herbst 2010 bis Herbst 2011 denkmalgerecht wiederhergestellt.

Als Ausgangspunkt der Planung und Ausführung wurden in einem Gutachten gartenhistorische Recherchen und Bestandsaufnahmen durchgeführt. Danach wurde auf insgesamt vier der Inseln mittig ein Promenadenweg angelegt. Die vor dem Quergebäude liegende Insel Nr. IV ist gemäß den Quellen davon ausgeschlossen. Als besonderer Blickpunkt wurde diese Insel gemäß den historischen Vorgaben baumlos als Rasenfläche angelegt und mit einer Hecke umfriedet. Entlang der Bordsteine wurde die Pflasterfläche aus Bernburger Mosaik wiederhergestellt. Die angrenzenden historischen Betonbordsteine waren zum Teil noch original unter der Grasnarbe zu finden. Sie wurden sorgsam gesichert, gesäubert und wieder eingebaut. Fehlende Bordsteine wurden identisch nachgegossen.

Gartenstadt Falkenberg (Denkmalgerechte Instandsetzung der öffentlichen Räume (Akazienhof))

Die Gartenstadt Falkenberg entstand von 1913 - 1915 auf Initiative der Deutschen Gartenstadtgesellschaft, die eigens zur Errichtung der Siedlung einen genossenschaftlich organisierten Bauträger, die "Baugenossenschaft Gartenvorstadt Groß-Berlin" gründete. Angelegt wurde die Siedlung auf dem 1913 durch die Genossenschaft erworbenen hügeligen Terrain des Gutes Falkenberg. In der Gartenstadt Falkenberg wurde der Akazienhof denkmalgerecht wiederhergestellt. Aufgrund des mangelhaften baulichen Zustandes des Fahrbereiches im Akazienhof wurde eine denkmalgerechte Sanierung der Verkehrsanlagen nötig.

Ausschnitt aus dem sanierten Akazienhof (Quelle: Nicola Halder-Hass, Halder-Hass Denkmalprojekte)Ausschnitt aus dem sanierten Akazienhof Quelle: Nicola Halder-Hass, Halder-Hass Denkmalprojekte

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