Altstädte von Stralsund und Wismar
- Die Welterbestätte
- Stralsund: Kulturkirche St. Jakobi
- Stralsund: Klosteranlage St. Johannis
- Stralsund: Bürgerhaus Ossenreyerstr. 1, Welterbebegegnungsstätte
- Stralsund: Bürgerhäuser in der Altstadt
- Stralsund: Stuckdecke im Landständehaus
- Stralsund: Restaurierung von Kapellenschauwänden und Inventar (St. Nikolai und St. Marien)
- Stralsund: Dominikanerkloster St. Katharinen
- Wismar: Museumskomplex "Schweinsbrücke"
- Wismar: Restaurant "Zum Weinberg"
- Wismar: Bürgerhäuser Spiegelberg 45 und 47
- Wismar: St. Georgen–Kirche
- Wismar: "Alte Schule" am St. Marienkirchhof
- Wismar: Lübsche Straße 23 (ehemalige Kaufmannskompagnie)
Die Welterbestätte
Die Altstädte von Stralsund und Wismar wurden 2002 in die Welterbeliste aufgenommen. Sie repräsentieren idealtypisch die Hansestadt während der Blütezeit des Städtebundes im 14. Jahrhundert. Zahlreiche Einzeldenkmäler dokumentieren die politische Bedeutung und den großen Reichtum der Ostseestädte im Mittelalter. Die Gruppe der sechs monumentalen Backsteinkirchen bildet einen einzigartigen Querschnitt durch die berühmte Sakralarchitektur der Hansestädte. Aus der Zeit der schwedischen Herrschaft (17. und 18. Jahrhundert) stammen einige herausragende Barockbauten wie das Zeughaus in Wismar oder das Schwedische Regierungspalais in Stralsund.
Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung stellt für die Welterbestätte Altstädte Stralsund und Wismar im Rahmen des Investitionsprogramms nationale UNESCO-Welterbestätten im Förderzeitraum 2009 bis 2014 insgesamt rd. 22,6 Mio. Euro Bundesmittel für folgende Projekte zur Verfügung.
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Strassenansicht Stralsund
Quelle: Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund mbH/Christian Rödel
Stralsund: Kulturkirche St. Jakobi
Die Welterbestätte Stralsund wird entscheidend von den drei Stralsunder Kirchen St. Marien, St. Nikolai und St. Jakobi geprägt. Die dreischiffige basilikale Backsteinkirche St. Jakobi aus dem 14. Jahrhundert wird seit Jahren als Kulturkirche betrieben. Das gesamte Kirchengebäude benötigt eine grundlegende Instandsetzung und Reparatur, um die Bausubstanz zu sichern und das Gebäude zu erhalten. Aus Mitteln des Investitionsprogramms soll das Langschiff saniert werden. Damit sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, das Langschiff weiterhin für Veranstaltungen nutzen zu können. Im Zuge der Sanierung sollen die Gewölbe, Säulen und Innenflächen der Umfassungswände des Langschiffes instandgesetzt, der Fußboden saniert und eine Fußbodenheizung eingebaut sowie Grabplatten eingelagert werden. Die bereits vorhandene Gastronomie soll mit einer Lüftungsanlage ausgestattet werden. Zur Verbesserung des Brandschutzes soll eine Brandmeldeanlage installiert werden.
Stralsund: Klosteranlage St. Johannis
Die 1254 von den Franziskanern gegründete Klosteranlage St. Johannis prägt noch heute das Stadtbild Stralsunds von der Seeseite. Das Gebäude weist einen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Die undichten Dachdeckungen führten zu erheblichem Wassereintrag in die darunter befindlichen Räume. Dies führte bereits zu Schäden. Im Rahmen des Projektes soll die Neueindeckung der Dachflächen in traditioneller Deckung durchgeführt werden. An dem von Schwamm befallenen Dachtragewerk und den Fenstern sind Instandsetzungen, Ergänzungen und Erneuerungen vorgesehen. Die Kreuzgänge sind aufgrund hoher Feuchtigkeit stark versalzen, wodurch in den Gewölben Rissbildungen aufgetreten sind. Diese sollen verschlossen und Einzelziegel ausgetauscht werden. Die in den Kreuzgängen vorhandenen gotischen bleiverglasten Spitzbogenfenster sollen aufgearbeitet, die dortigen Malereien restauriert sowie Fehlstellen ergänzt werden. Die ehemaligen Klausurbereiche des Klosters werden vom Stadtarchiv genutzt. Zur Erweiterung der Flächen des Archivs (Magazinraum) werden die einstigen Wohnungen auf dem Räucherboden umgebaut.
Stralsund: Bürgerhaus Ossenreyerstr. 1, Welterbebegegnungsstätte
Das als traufständiges Stadthaus errichtete barocke Stadtpalais Ossenreyerstraße 1 wurde im Jahr 1700 errichtet. Im Gebäude befindet sich der von Jakob Philip Hackert gestaltete Tapetensaal. Ende der 1980er Jahre wurden gesundheitsschädliche Schwammsanierungsmaßnahmen durchgeführt, die eine Sperrung des Hauses für die Öffentlichkeit zur Folge hatten. Im Rahmen des Projektes soll das Gebäude saniert, dekontaminiert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Nach der Sanierung des Gebäudes soll eine Welterbebegegnungsstätte mit Ausstellungskabinetten, Tagungsräumen und dem Sitz des Welterbemanagements errichtet werden. Dazu soll der Tapetensaal restauriert und für repräsentative Zwecke zur Verfügung gestellt werden.
Stralsund: Bürgerhäuser in der Altstadt
Das Stadtbild Stralsunds wird maßgeblich durch das Straßenraster, die Baublöcke und die nach lübischem Recht erbauten Häuser geprägt. Der Erhalt der leer stehenden, historisch wertvollen Gebäude ist von großer städtebaulicher und denkmalpflegerischer Bedeutung. Die denkmalgerechte Erhaltung des baulichen Erbes erfordert erhebliche Sanierungsanstrengungen. Um die Bürgerhäuser ohne gravierenden Substanzverlust zu erhalten und nachhaltig nutzbar zu machen, sollen zeitnah Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Bei verschiedenen Bürgerhäusern werden Arbeiten an der Außenhülle, restauratorische Leistungen, Rohbau- und Ausbauarbeiten, die Erneuerung der technischen Anlagen und die Erneuerung der Außenanlagen durchgeführt.
Stralsund: Stuckdecke im Landständehaus
Das Landständehaus wurde Anfang des 18. Jahrhunderts unter Einbeziehung älterer Gebäudeteile erbaut. Zur Straße gelegen befindet sich das repräsentative Hauptgebäude, das im Zuge des beabsichtigten Umbaus zur Musikschule in seiner ehemaligen Hofform in heutiger Formensprache wiederhergestellt werden soll. Im Rahmen der Sanierung des Landständehauses sollen barocke Deckenstuckelement erhalten bleiben. Die Besonderheit des Stuckaufbaus besteht darin, dass der Stuck nicht nachträglich angesetzt und somit demontierbar ist, sondern direkt mit der Gebäudekonstruktion verbunden ist. Der Saal soll um die historische Supra Porte und die historische Tapete ergänzt werden. Hohe Anforderungen stellen die notwendige Schwammsanierung der konstruktiven Bauteile und der Erhalt der Deckenstuckflächen dar.
Stralsund: Restaurierung von Kapellenschauwänden und Inventar (St. Nikolai und St. Marien)
Die Pfarrkirchen St. Marien und St. Nikolai gehören zu den meistbesuchten kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten Stralsunds. Aus Mitteln des Investitionsprogramms sollen Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an den Kirchen durchgeführt werden. Mit diesen Maßnahmen werden künstlerisch und historisch bedeutsame Ausstellungsstücke erhalten. Bei der Pfarrkirche St. Marien sollen die für den Kirchenraum charakteristischen Kapellenschauwände sowie die Emporenbrüstung im Langhaus saniert werden. Darüber hinaus werden Schnitzfiguren restauriert. In der Pfarrkirche St. Nikolai soll die Barocktaufe restauriert werden. Des weiteren werden die mittelalterlichen Chorschranken konserviert sowie das Hochaltarretabel und das Gestühl wiederhergestellt.
Stralsund: Dominikanerkloster St. Katharinen
Das Dominikanerkloster St. Katharinen wurde im Stil der Backsteingotik errichtet. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts wurden Teile der Klausurgebäude mehrfach verändert bzw. neu errichtet, seit 1924 erfolgte der schrittweise Ausbau zum Museum. Geplant ist die Sanierung der Dachflächen, der Dachkonstruktion, der Deckenbalkenkonstruktion am gesamten Klosterkomplex mit Ausnahme der großen Kirchendachflächen. Darüber hinaus sollen Wand- und Deckenfassungen sowie gotische Gewölbe- und Wandmalereien konserviert und restauriert werden.
Wismar: Museumskomplex "Schweinsbrücke"
Das Schabbellhaus (Schweinsbrücke 8) ist ein Wohn- und Brauhaus der Renaissance und heute Sitz des Stadtgeschichtlichen Museums. Aufgrund des hohen Sanierungsbedarfes ist es nur noch eingeschränkt nutzbar. So sind die Decken nicht mehr in allen Bereichen tragfähig. Um den Erhalt der historischen Substanz zu gewährleisten, sind Sanierungsmaßnahmen dringend notwendig. Da die Ausstellungsflächen nicht mehr ausreichen, soll das Schabbellhaus nach der Sanierung mit dem angrenzenden Gebäude Schweinsbrücke 6 zum Museumskomplex Schweinsbrücke erweitert werden. Das Vorderhaus der Schweinsbrücke 6, hinter dessen klassizistischer Putzfassade große Teile eines Dielenhauses aus dem 14. Jahrhundert erhalten geblieben sind, zählt zu den ältesten erhaltenen Bauten Wismars.
Wismar: Restaurant "Zum Weinberg"
Das Restaurant Weinberg wurde im Jahr 1354/55 erbaut. Es ist eines der ältesten Restaurants Mecklenburg-Vorpommerns. Im Rahmen des Welterbeprogramms soll das Restaurant saniert werden. Dazu sollen neue Toiletten, eine neue Heizung und Personalunterkünfte eingebaut werden. Darüber hinaus soll eine neue Küche angebaut und die Straßen- und Hoffassade am Hauptgebäude saniert werden.
Wismar: Bürgerhäuser Spiegelberg 45 und 47
Das Ensemble der Giebelhäuser Spiegelberg 45 und 47 gehört zu einer Reihe von Bürgerhäusern in der Altstadt von Wismar, die mit ihren prachtvollen Giebeln im gotischen und barocken Stil wesentlich das Stadtbild prägen. Die seit der Wende leer stehenden Gebäude konnten bislang lediglich gesichert werden. Im Rahmen des Welterbeprogramms soll eine Sanierung der Bürgerhäuser durchgeführt werden, um die Bausubstanz dauerhaft zu erhalten und nutzbar zu machen. Ziel der Neuplanung ist die Schaffung von geordneten Funktionsbereichen unter Beibehaltung der vorhandenen Gebäudestrukturen. Für das Gebäude Spiegelberg 45 ist eine Nutzung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sowie die Einrichtung von drei Wohnungen geplant. Für das Gebäude Spiegelberg 47 ist nach der Sanierung eine Wohnnutzung als Mehrgenerationenhaus mit vier Wohneinheiten vorgesehen.
Wismar: St. Georgen–Kirche
Die aus dem 15. Jahrhundert stammende St. Georgenkirche ist ein beeindruckendes Bauwerk der Backsteingotik und zugleich Zeugnis für die Kombination der italienischen Backsteintechnik mit dem Bautypus der französischen Kathedrale. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt; sie war in den folgenden Jahrzehnten als größte Kirchenruine Deutschlands dem Verfall ausgeliefert. Das Engagement der Hansestadt Wismar, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, privater Spender und einer privaten Stiftung ermöglicht seit 1990 den Aufbau des Denkmals. Im Rahmen des Investitionsprogramms soll der Turmbereich für touristische Zwecke erschlossen werden. Dazu sollen ein Fahrstuhl und eine Treppenanlage, eine Besucherplattform, WC-Anlagen sowie Elektroinstallation und Sicherheitstechnik eingebaut werden.
Wismar: "Alte Schule" am St. Marienkirchhof
Das Gebäude der ehemaligen "Alten Schule" bildete vor seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg einen architektonisch wertvollen Bestandteil des gotischen Viertels in Wismar und war das Musterbeispiel für einen hervorragend gestalteten Profanbau des 15. Jahrhunderts. Im Verlauf der 2007 begonnenen archäologischen Freilegung der Fundamente des Gebäudes zeigte sich, dass Wände und Fußböden sowie die Kellertreppen noch in einem guten Zustand sind. Im Rahmen des Projektes soll die Sicherung des Kellermauerwerks der "Alten Schule" fortgesetzt werden. Der Aufbau des Außenmauerwerks soll bis zu ca. 1,60 Meter über der Straßenpflasterung erfolgen. Darüber hinaus soll das freigelegte Kellergeschoss eine Stahlbetondecke als oberen Abschluss erhalten, die als Winterschutz dient und zusätzlich aussteifende Funktionen übernehmen soll.
Wismar: Lübsche Straße 23 (ehemalige Kaufmannskompagnie)
Auf dem Grundstück Lübsche Straße 23 befinden sich zwei Giebelhäuser. Das in seinen Ursprüngen spätgotische Patrizierhaus wurde im Klassizismus mit seinem Nachbarhaus zusammengelegt und über einen gemeinsamen Eingang erschlossen. Die beiden Häuser sollen künftig wieder separat nutzbar sein. In dem Giebelhaus, das ehemals die "Kaufmannskompagnie" beherbergte, soll eine gastronomische Nutzung ermöglicht werden. In den Obergeschossen sollen öffentliche Nutzungen und Wohnungen untergebracht werden. Im zweiten Gebäude werden im Erdgeschoss Räume für Einzelhandel und in den darüber liegenden Geschossen Wohnungen realisiert.

